Party-Review: Black Planet (Koblenz)

Geschrieben von Karnstein am 20. Februar 2010 in Szene |

Ich war seit zwei Monaten auf keiner Tanzveranstaltung mehr -
Wer mich kennt, weiß, dass ich daran nur all zu gern etwas ändern würde, doch (wie in Und wieder kein Stammclub erläutert) mangelt es mir hier an Ausgehmöglichkeiten, wo auch tatsächlich meine Musik gespielt wird.

Und so kam es, dass ich mir gelangweilt die Webseiten der Clubs ansah, die ich kenne, von denen ich mir aber nicht all zu viel verspreche. Doch auf der Webseite der Druckluftkammer in Koblenz fällt mir unerwarteterweise etwas ins Auge:
BLACK PLANET is back… heißt es da, darüber mit dem Slogan your passion, your cure und ich frage mich, ob ich zurecht an Passion of Lovers (von Bauhaus) und the Cure denke.
“Gothic und Wave von den 80ern bis heute” heißt es weiter, und ich bin endgültig neugierig geworden. Den Text zitiere ich mal direkt von der Seite:

Unsere Szene kann mittlerweile auf eine etwa 30-jährige Musikgeschichte zurückblicken. Aus diesem – in der Tat breiten – Spektrum wollen wir schöpfen und Euch auf eine Zeitreise durch eine hoffentlich nie endende Epoche voller verschiedener, aber düsterer Klangwelten schicken. Von sphärisch bis energisch, von rockig bis synthetisch, von damals bis heute, bringen wir Euch das Beste zu Gehör, was die Gothic-Szene hervorgebracht hat – alles schwarz und alles tanzbar!

Da wir auch nicht mehr die Jüngsten sind, liegt unser Schwerpunkt auf Klassikern und Evergreens. Aber auch Raritäten und aktuelle Stilrichtungen sollen bei uns nicht zu kurz kommen. Die, die uns bereits kennen, sollten unseren Musikmix zu schätzen wissen. Alle anderen laden wir herzlich zu einer Hörprobe ein ;-)

Klingt gut, also Freunde angerufen, die angestaubten Pikes aus dem Schrank (das verkorkste David-Bowie-in-”Labyrinth”-Makeup wieder runter und normales drauf… *räusper*) und ab geht’s nach Koblenz.

Ein bisschen mulmig ist mein Gefühl dann schon, als ich mich dem Club nähere, in dem sonst so häufig Gestalten, die ich liebevoll Powerranger nennen möchte mit Knicklichtern zu schwarzem Techno zappeln. Aber bereits als ich reinkomme, schallt mir London after Midnight entgegen – so schlecht wird der Abend sicherlich nicht werden…

Und mein Résumée fällt in der Tat ziemlich positiv aus:
Wie erwartet/befürchtet ist natürlich doch eine Menge gelaufen, was ich selbst niemals unter dem Deckmäntelchen Gothic, Wave verkaufen würden, aber die Hintertür wurde sich natürlich von Anfang an mit der Erwähnung der “aktuellen Stilrichtungen” offen gehalten, und die DJs haben sich augenscheinlich auch große Mühe gegeben, den Musikwünschen nachzukommen, und wenn das Publikum dann nunmal nicht so 100%ig meinen Geschmack teilt… nunja… Etwas peinlich finde ich es, (in der Zeit, in der ich da war) weder Bauhaus, noch die Sisters, noch Alien Sex Fiend zu spielen, dafür aber zwei mal Rammstein

Aber sei’s drum – Ausbrecher wie Rammstein und Marylin Manson mag ich persönlich, andere wie And One oder VNV Nation kann ich gut ertragen – das mir verhasste Unnz-unnz-unnz der richtig üblen Sorte blieb aus (kein Combichrist, kein Agonoize und wie sie alle heißen), wenn für mich auch dennoch zu viel in diese Richtung ging (aber ich bin ja auch pingelig).
Ansonsten war wirklich eine wunderbare kunterschwarze Mischung zu finden:
Von altem Wave wie Joy Divion, Siouxsie und the Cure über Synthetischeres wie Camouflage und Silke Bischoff bis hin zur Neuen Deutschen Todeskunst mit Goethes Erben, das Ich und sogar Lacrimosa (die ich fast noch nie in einem Club gehört habe) war eigentlich alles dabei, was das Herz des Traditionalisten begehren mag, und auch moderne schwarzrockige Sachen wie ASP, Unheilig oder Eisbrecher haben die Leute auf die Tanzfläche gebracht.
Meine Wünsche wurden teils gespielt (Joy Division, the Cult), teils nicht (B-Movie, Psyche) und alles in allem bin ich auf jeden Fall zufrieden und werde wieder kommen.

Und an dieser Stelle noch ein kurzes Preview:
Als ich gerade von der Tanzfläche komme und mit sehr freudiger Miene zu Grauzone getanzt habe, kommt eine punkig-flippige Dame auf mich zu und drückt mir einen Flyer in die Hand mit etwa den Worten: “Wenn du NDW magst, dann kann ich dich vielleicht auch dafür begeistern? In der Druckkammer ist es ja sonst immer sehr elektrolastig, aber da wird’s dann mal punkiger”.
Ich nehme dankend an und lese Verschwende deine Jugend – Underground NDW, New Wave, Post-Punk, mit Gast-DJ Robert Goerl von D.A.F. am 06.03.10.
Ich bin gespannt und halte euch auf dem Laufenden.

Update:

Wegen des plötzlichen Wetterumschwungs habe ich es bedauerlicherweise nicht zu “Verschwende deine Jugend” geschafft, aber es scheint sehr gut gewesen zu sein – verdammt… Aber immerhin ist für den April schon die nächste “Black Planet” anberaumt, diesmal mal Sisters-Schwerpunkt – ich bin gespannt ^^

Bildquellen:
Black-Pla.net
Druckluftkammer

Schlagwörter: , , ,

Hinterlasse eine Antwort

Copyright © 2012 Otranto-Archive Rechte vorbehalten.
Desk Mess Mirrored v1.4.1 Theme von BuyNowShop.com.

QR Code Business Card