N.U.C. – Gotika

Geschrieben von Karnstein am 11. Januar 2012 in Spotlight, Szene |

Die vermutlich letzte schwarze Veröffentlichung des letzten Jahres geht auf das Konto der Bremer Gothrocker von N.U.C., die am 29.12.11 das Mini-Album “Gotika” herausgebracht haben. Wie immer unter einer Creative-Commons-Lizenz und daher völlig legal für umme herunterladbar, sowie mglw. auch bald als CD direkt über die Band zu beziehen.
Nun ist es auch schon vier Jahre her, dass es von den Herren etwas Neues zu hören gab, also habe ich mich über den entsprechenden Hinweis seitens Sipo (Gesang/Gitarre) in einem Forum sehr gefreut und möchte das musikalische Jahr 2012 direkt mit einer kurzen Rezension des neuen Tonträgers beginnen.

“Synth-Goth-Rock” steht groß auf der N.U.C.-Webseite, und genau das gibt’s auch wieder.
Der Opener “Gotika” stimmt einen schnell wieder auf den typischen N.U.C.-Stil ein, auch wenn man sie schon länger nicht mehr gehört hat. Eindeutig Gothrock, aber moderner, und auch nicht um Synthetik verlegen. Ich meine jedoch stellenweise einen leichten Metal-Einschlag herauszuhören, der mir persönlich nicht so 100%ig behagt – ich war einfach noch nie ein Freund düdeliger Soli, auch wenn dies hier angenehm kurz gehalten ist und den ansonsten sehr schönen Song eigentlich nicht stört.
Stilistisch geht es mit “Weltenbrand” sehr ähnlich weiter, nur meine ich hier zusätzlich noch einen gewissen Symphonic-Einschlag seitens der Synths auszumachen. Ich mag besonders das leicht punkig anmutende Intro aus schlichten Gitarrenriffs und die Flanger-Gitarren-durchzogenen Sekunden zwischen Refrain und nächster Strophe.

Lieder in denen eine Band sich selbst besingt hasse ich eigentlich wie die Pest. Klingt für mich immer wie “Wir sind die Onkelz! Schnallt euch an!”… Igitt…
Umso interessanter dass ausgerechnet “N.U.C.” der stärkste Song des Albums sein könnte. Das Solo am Anfang ist zwar wieder nicht mein Fall, aber ansonsten schlichtweg sehr eingängiger Wave dem man den flotten Gothrock der späten 80er deutlich anhört, der aber dennoch auch wieder moderner wirkt. Relativ geradlinig und geht in die Beine – könnte ich mir gut auf Tanzflächen vorstellen.

Mit “Wunderland” wird’s dann ruhiger, doch auch hier bleibt man seinem Stil treu. Beim Refrain knackige Riffs, in den Strophen atmosphärisch aber nicht wirklich sanft da irgendwie angespannt, was gut durch die tief brummende Synthetik und das leise Piano erzeugt wird und der klassischen Gothic-Thematik des Textes sehr gerecht wird. Erfindet das Genre nicht unbedingt neu, aber dennoch zweifelsohne ein sehr schönes Lied.
Im übrigen finde ich die deutschen Texte hier auch besser als früher, sicherlich nicht ohne Pathos, aber irgendwie reifer.

Ein nicht unähnliches musikalisches Konzept finden wir schließlich auch beim letzten neuen Song “Kill me”, aber hier deutlich ausgeprägter. Spontan nicht halb so eingängig wie die anderen Songs, dafür (oder deshalb) aber für mich der vielleicht interessanteste Song. Alles in allem noch deutlich atmosphärischer, vergleichsweise minimalistisch, experimentell und von ziemlich schwerer Stimmung, und auch wenn die Riffs einsetzen bleibt es schleppend – sehr gut :)

Einziger Wermutstropfen ist die für mich leider reichlich in die Hose gegangene neue Version des 2007er Songs “Let’s Dance”, in der der leichtherzig düdelige Elektrosound des Originals eigentlich nur von fetten Gitarren überlagert wurde. Hätte man sich komplett sparen können, finde ich, und würde das Album Punkte kosten, wenn ich welche vergeben würde ;)

 

Alles in allem aber eine sehr sehr schöne Veröffentlichung, die die Wartezeit wert war und die sicherlich in der nächsten Zeit noch häufig bei mir laufen wird. Schade nur dass es nicht noch mehr neues Material gibt, aber da die Herren eben nicht davon leben sondern es als (verdammt professionelles) Hobby zu betreiben scheinen ist das ja mehr als verständlich.
Wer N.U.C. eh schon mag wird die neuen Songs lieben, und wer sie noch nicht kennt, sich aber für die alte Schule erwärmen kann und auch der Moderne nicht abgeneigt ist, dem sei besonders das neue Material ans Herz gelegt.
Man hört die Szenewurzeln, aber beschränkt sich nicht auf ein Reproduzieren – so kann Gothic im neuen Jahrtausend klingen.

Ein Kommentar

  • Flauers sagt:

    Sehr schön! Wurde Zeit! (:

    Seit langem warte ich auf was neues … Live haben sie mich ja schon immer überzeugt, auf Platte noch nicht ganz so, aber das kann sich ja nun vielleicht ändern.

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