Living Dead Dolls

Geschrieben von Karnstein am 22. Juli 2010 in Szene |

Was ist das nur, das Puppen so gruselig macht?
Eigentlich sind sie als Kinderspielzeug gedacht, zur Belustigung eines Publikums oder um daran Kleider auszustellen. Aber egal ob als Kinderspielzeug, als Bauchredner- oder als Schaufensterpuppe – es ist leicht, sie in einen Kontext zu stellen, in dem diese Figuren mit ihren erstarrten menschlichen Gesichtern einem eine Gänsehaut verpassen.
Was kommt also wohl heraus, wenn man herkömmliche Puppen nimmt und sie mit einer ordentlichen Prise Gothic versieht? Ganz einfach: Die Living Dead Dolls.

Die ertrunkene Hush

Die ertrunkene Hush

Angefangen hat alles 1998 in den USA, wo zwei junge Männer anfingen, handelsübliche Puppen auf Horrorfilm-artige Weise zu verunstalten und in kleinen Serien zu verkaufen (seit 2001 maschinell gefertigt und daher in etwas größerer Stückzahl). Stilecht werden sie in Särgen geliefert, ausgestattet mit Sterbeurkunde und einem Gedicht in denen Todesursache und Grund für ihr Zurückkehren als Untoter erklärt werden.

Da gibt es etwa die kleine Posey in ihrem Leichenhemd, die lebendig begraben wurde und darüber nun ziemlich verärgert ist; die niedliche Lottie mit Mäntelchen und Sonnenschirm, die Aspirin für Süßigkeiten hielt und ein Pfund davon verdrückte; oder die kleine Hush, die beim Rattenfüttern in der Kanalisation gestolpert und ertrunken ist (und die daher natürlich nicht nur eine eher unangenehme Hautfarbe hat sondern auch mit einer Ratte geliefert wird).

Wo Barbie mit rosa Hüten und niedlichen Hündchen geliefert wird, sind es hier natürlich angemessene Utensilien. Die kleine Tragedy z.B. war zu Lebzeiten Goth und trägt noch immer ihre sargförmige Handtasche mit sich herum, andere Puppen kommen mit herausgerissenen Herzen, Küchenmessern, Zwangsjacken, Trauerkränzen, Zylindern oder Pentagramm-Anhängern.

Poe und Annabell Lee

Poe und Annabell Lee

Eine speziellere Serie widmete sich personifizierten Todsünden, andere Specials umfassen Sondermodelle wie Edward mit den Scherenhänden, Beetlejuice, düstere Versionen von vier Alice-im-Wunderland-Charakteren oder sogar Edgar Allan Poe persönlich (inklusive Annabell Lee und teils auch dem Raben).

Wer also wie ich einen (äußerst!) morbiden Humor hat und soetwas niedlich finden kann, der wird sicherlich irgendwo DIE Puppe finden, die er sich auch selbst ins Regal setzen würde.
Schade ist daran nur, dass die einzelnen Serien immer sehr geringe Auflagen haben (teils nur 1500), sodass die Living Dead Dolls schnell richtige Sammlerobjekte geworden sind, zu denen eigene Fan-Seiten existieren, auf denen jeder Sammler seine Kollektion vorstellen und nach ihm noch fehlenden Modellen suchen kann.

Goth-Girl Tragedy

Goth-Girl Tragedy

Eine reichlich bizarre Sammelleidenschaft, garkeine Frage, aber mich persönlich spricht diese Art von düsterer Niedlichkeit absolut an, und vielleicht kann ich ja den einen oder anderen mit meinem Interesse anstecken :)
Achja, wenn jemand weiß, wo ich die schwarze “Alice im Wunderland” allein (ohne die anderen drei Puppen im Set) bekommen kann, der darf mir gerne einen Hinweis hinterlassen ;)

Quelle:
LivingDeadDolls.com

2 Kommentare

  • Crescentia Moon sagt:

    Ich sammle zufällig diese kleinen Untoten. Habe mittlerweile 27 und 2 Minis :-)
    Meine Sammlung kann man auf meiner StudiVZ-Seite bewundern :-) , wo ich auch eine kleine Fangruppe eröffnet hatte…

    Ein Video in Stop-Motion-Technik kann man auf Facebook und You Tube finden

    Sie machen schon ziemlich viel Freude

  • [...] Living Dead Dolls Karn­stein spielt mit Pup­pen, könnte man mei­nen. Jeden­falls berich­tet er in einem erklä­ren­den Arti­kel über die Living Dead Dolls, bei denen es sich ent­ge­gen mei­ner ursprüng­li­chen Annahme nicht um eine neue Band han­delt son­dern um Horror-Puppen, die sich teil­weise an his­to­ri­sche oder fil­mi­sche Vor­la­gen ori­en­tiert und so durch­aus ein Stück­chen Cree­py­ness in die eige­nen vier Wände brin­gen kön­nen. Mich erin­nert das ganze eher an Chu­cky die Mör­der­puppe, mit der ich 1988 meine ers­ten Erfah­rung in Sachen Pup­pen­mord sam­meln konnte. Einer gewis­sen Affi­ni­tät zu „düs­te­rer Nied­lich­keit” wie Karn­stein sie tref­fend nannte kann ich mich jedoch entziehen. [...]

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