Farblos – Winterherz (und der Regen fällt…)
Eigentlich wollte ich ja mein Ein-Mann-Projekt noch nicht an die große Glocke hängen, so lange ich noch nicht mehr als eine Demo vorzuweisen habe, an der es noch so manches zu tüfteln gibt. Aber durch den Gothic Friday noch mal mit dem Thema konfrontiert habe ich mir jetzt gedacht: Warum eigentlich nicht?
Immerhin steht der Song schon fast ein Jahr online und wurde immerhin fast 500 mal angehört – warum dann nicht auch mal im Blog ein paar Worte dazu verlieren?
Wie kam es dazu, und was mache ich eigentlich?
Das Ganze fing vor etwa 3 Jahren an, als Tritonus (die Folk-Band in der ich spiele) bereits existierte. Ich arbeitete an einem Minnelied von Heinrich von Veldeke von dem nur der Text überliefert ist – ein herrlich melancholisches Stück, in dem dröge Herbstszenerie bildlich ein trauriges Inneres darstellt (man wird verstehen, warum die Damen und Herren (Schwarz-)Romantiker die mittelalterliche Lyrik so schätzten). Nach einer Weile fiel mir dann auch eine Melodie ein, doch irgendwie konnte ich es drehen und wenden wie ich wollte, irgendwie archaisch klang das einfach nicht – eher wavig, was einen bei mir natürlich nicht wundern sollte.
Also sei’s drum, dachte ich mir, probiert man halt mal was modernes. Ich bastelte also zwei Jahre lang an diesem Stück herum, hatte mir in der Zwischenzeit E-Bass, Keyboard und ein gutes Sequenzerprogramm zugelegt und war von Mittelhochdeutsch über modernes Deutsch zum Englischen gekommen – Titel und einzelne Einwürfe fand ich aber auf Deutsch griffiger – und so entschied ich mich dann irgendwann mal, mit dem Basteln aufzuhören und das Ganze eine fertige Demo-Version zu nennen, und zwar:
Winterherz (und der Regen fällt…)
(hat ein recht langes Intro, gebt dem Ganzen mal eine einminütige Chance – danach darf bei Misfallen immer noch abgeschaltet werden
)
Den Einfluss von The Cure würde man deutlich hören, wurde mir schon gesagt, dabei war das lustigerweise eben nichtmal wirklich intendiert. Auch Depeche Mode wollte da schon jemand raushören, an die ich allerdings noch überhaupt grad garnicht gedacht hatte.
Aber wie gesagt: Ich sehe es als Demo-Version! An der Produktion ist noch einiges zu tun (ich bin eben kein Produzent sondern bestenfalls Musiker, und habe teils wirklich große technische Probleme). Die Bassgitarre habe ich gnadenlos übersteuert, sodass die Boxen ein wenig scheppern dürften, die Gitarren würde ich gerne neu aufnehmen und auch am Text habe ich mitlerweile kleinere Änderungen vorgenommen und hoffe, eine qualitativ bessere Aufnahme hinzubekommen.
Mitlerweile existieren noch etwa sechs bis sieben weitere Lieder, die aber ebenfalls alle noch einiges an Schrauberei erfordern, bevor ich sie auf die Welt loslassen möchte. Hingegen meiner ursprünglichen Intention sind sie fast alle in deutscher Sprache, und in der Retrospektive scheint mir auch musikalisch teils die Neue Deutsche Todeskunst ihre Finger im Spiel gehabt zu haben, die ich in den letzten Monaten vermehrt genossen habe.
Das war dann auch der bis dahin noch fehlende Ausschlag das ganze Projekt umzubenennen, und das reichlich komplizierte Diurnal Masque (das sich kein Mensch merken kann, das aber teils noch in grafischen Relikten auf der MySpace-Seite herumhüpfen könnte) zu ersetzen durch ein griffiges deutsches Farblos.
Wem also der oben eingebettete Song gefällt, der ist herzlich eingeladen, mich auf MySpace zu besuchen, wo natürlich auch alle neuen Songs landen werden. Es kommt da noch manches Wavige auf euch zu, aber auch experimentell perkussives, akkustisches und was mir sonst noch so an Schweinereien einfällt





Ja, warum eigentlich nicht schon früher- sehr schön, dass du uns an deinem Soloprojekt teilhaben lässt. Man ist schließlich selbst der eigene härteste Kritiker für seine Künste und somit wird man zögerlich, was sich dann hinterher als unbegründet erweist, wenn man positives Feedback erhält. Der Song hat eine eingängige Melodie, da ist tatsächlich ein guter Schuss “Cure” herauszuhören, was natürlich ein Waverherz wie mich erfreut. Vielleicht dürfte ich dir vorschlagen, deine Stimme nicht durchgängig, sondern nur als Akzentuierung mit einem Echo zu versehen, um beispielsweise den Refrain oder das Wort “Winterherz” besser herauszuheben. Das geht ein wenig unter. Sehr schön ist das Outro mit dem Regenprasseln, was mich etwas an November Rain von Guns ´n Roses oder Riders on the Storm von The Doors erinnert. Ich kann nur sagen: Mach weiter so – wer nicht wagt, der nicht gewinnt.
Klingt toll <3
Das ist eine der besten “Neuerscheinungen”, die ich seit langem gehört habe.
Mir gefällt aber der deutsche Zwischenpart nicht. Da werde ich irgendwie durch die deutschen Worte aus dem Song geworfen. Ansonsten ist der Mix aus Wave und Mittelalter (so erscheint es mir jedenfalls) wirklich gelungen. Lädt zum Träumen ein. Ich bin sehr gespannt auf die anderen Songs.
Du empfindest es als einen Mix aus Wave und Mittelalter? Wow, gerade weil ich das mittelalterliche da nie fühlen konnte ist es ja letztlich erst zu dem Projekt gekommen
Was stört dich denn am deutschen Teil? Die deutsche Sprache an sich oder einfach der Kontrast Englisch/Deutsch? Der ist nämlich letztlich durchaus beabsichtigt ^^
Schön aber auf jeden Fall dass das Ganze unterm Strich zu gefallen scheint
Den Kontrast Englisch/Deutsch finde ich grundsätzlich nicht schlecht. Diary of dreams machen das auch manchmal, bzw. Adrian Hates. Nein, speziell bei diesem Lied stört es, denn die Musik und dein Gesang entführen irgendwie in die Ferne und ich finde, das Lied hat etwa Leichtes/Fröhliches und etwa Melancholisches. Die deutschen Worte zerstören die Atmosphäre ein wenig. Vielleicht weil die deutsche Sprache härter klingt oder weil deutsche Wörter immer so eine eindeutige Richtung vorgeben, während englische Texte mehr Raum für Interpretation lassen. Und: Ja, die mittelalterlichen Klänge sind nicht zu überhören.
Eine sehr interessante Mischung. Habe ich so noch nie gehört.
Wo sind denn meine “s”? Etwas etwas etwas… ach, du weißt schon
Mich stören grundsätzlich bilinguale Texte nicht, es ist eine Bereicherung, wenn man es so wie bei “Winterherz” in Einklang bringen kann. So fand ich auch bspw. “Allein Allein” der Synthipopband Polarkreis 18 mit englischem Text und deutschem Refrain gut gelungen. Mmh, es tut mir leid, Mittelalter höre ich ehrlich gesagt überhaupt nicht heraus. Aber das ist -wie alles andere im Leben- reine Interpretationssache
Auf mich wirkt das Lied erfrischend wavig, hat eine eingängige Melodie, die etwas Beruhigendes an sich hat.
Ja, die Musik ist definitiv eher meins als Tritonus
… doch, gefällt mir gut. Ich würde mich Orphi anschließen und es auch als Mischung aus Wave und Mittelalter bezeichnen. Schön melancholisch.
Finde, du hast eine echt tolle Stimme! Der englisch/deutsch-gemischte Text irritiert mich nicht – im Gegenteil, passt hier für mein Ohr gut.
Das Intro find ich super, schön düster … insgesamt könnte es aber in dem Song tonal noch etwas abwechslungsreicher ‘zugehen’.
Absolut gelungen ist Dir aus meiner Sicht das Artwork: Foto, Schriftzug, Farbe… das stimmt für mich super mit der Stimmung des Songs/Projektes überein. Klasse!
@Orphi: Hm, die größere Interpretationsfreiheit im Englischen wird ein Muttersprachler vermutlich anders empfinden. Bei mir ist es zumindest so, dass ich mich von englischen Texten immer etwas mehr distanzieren kann – auch wenn ich sie selbst geschrieben habe und sie mir aus der Seele sprechen, es hat nie sowas unmittelbares wie in der eigenen Muttersprache: Texte, die ich auf Englisch gefühlvoll finde, empfinde ich in Deutsch manchmal schon als pathetisch. Daher wollte ich ursprünglich nicht auf Deutsch schreiben, aber irgendwie hat es sich dann doch ergeben – wenn es mich auch einige Überwindung kostet und sich viel mehr so anfühlt, als würde man ein Stück von sich selbst freigeben. Mut zur Muttersprache!

“Erfrischend wavig” geht aber natürlich runter wie Öl
Aber es würde mich ja jetzt doch sehr interessieren, ob du auch in meinen anderen Stücken etwas mittelalterliches entdecken würdest, denn da könnte ich es nun wirklich GARNICHT mehr nachvollziehen (hier war der Text ja immerhin mal ein solcher) – vielleicht bin ich ja einfach unbewusst vorgeprägt
@Madame Mel: Und erst die Version “Allein allene” mit zusätzlichen dänischen Einwürfen – mir gefällt’s
Im Übrigen kommen sprachlich noch ein, zwei ungewöhnliche Experimente auf euch zu
Wie schon auf Facebook gesagt, gefällt mir das Lied sehr gut!
Ja, The Cure hör ich da auch raus und zwar A Forest, fällt mir so auf, weil ich das ja grad selber auf Bass lern
Du bist eindeutig begabt
Einen Vorgeschmack konnte man ja schon zu dem Werbevideo zum “Schwarzen Zusammenkunft” vernehmen, das du nun (endlich) an die Öffentlichkeit getreten bist, rundet die Sache ab. Deine Idee ist wirklich gut, Eingangs erinnert mich der Opener an “Winterborn” von den Crüxshadows, ein solanges Intro ist mutig, aber Depeche Mode beweisen das sie das auf Dauer auszahlt.
Grundsätzlich finde ich das Stück großartig, die Produktion und die Mischung müssten nochmal überarbeitet werden, das Verhältnis der Spuren zueinander klingt noch nicht ganz rund, auch das kleine Intro und Outro der Drumsequenz würde ich rauslassen. Den Fader für die Stimme würde ich auch ein bisschen hochziehen, klingt einen Hauch zu leise für mich.
Den deutsch/englischen Mix finde ich sehr ansprechend, auch rein deutsche Texte finde ich generell in Ordnung, wobei die Ausrichtung natürlich entscheidet wo die Reise hingehen soll. Musikalisch liegen wir ja voll auf einer Wellenlänge, daher finde ich den Sound toll, “erfrischend wavig” trifft es schon ganz gut. Die Melodien sind toll, daran würde ich nicht mehr allzuviel ändern, auch das Arrangement passt.
Ich bin gespannt, was noch kommt und werde Dich und Dein Projekt noch fördern wo ich kann
Ups, Shans Kommentar habe ich ja ganz übersehen…

Bei “Deutschland sucht den Superstar” würde ich neben den Soul-Trällerelsen zwar definitiv abkacken (wenn ich das mal plump sagen darf), aber zum Glück mag ich ja diesen minimalistischen Dilletantismus 



Das mit dem Mittelalter finde ich immer noch sehr eigenartig… ich frage mich, ob ihr auch den Eindruck hättet, wenn ihr nichts von der Minnelied-Inspiration wüsstet…
Was Abwechslungsreichtum, Drum-Arrangements und sowas angeht ist das schon alles genau so intendiert und wird sicherlich keine nennenswerten Veränderungen erfahren. Nur eben die Mischung, Produktion, etc. – das durchgehende Echo auf der Stimme ist ebenfalls Absicht, auch wenn es das Verständnis erschwert (dank der schlechten Aufnahme hier nocht etwas ZU sehr erschwert, zugegeben) – hier bin ich vermutlich von Songs wie “Bela Lugosi’s Dead” oder auch Grauzones “Kälte kriecht” vorbelastet, das soll schon genau diese Wirkung haben
Ein konkretes Lob für meine Stimme habe ich noch nie bekommen, freut mich daher umso mehr
Das Artwork ist mir überraschend leicht gefallen – ging auch ohne größeres Nachdenken, aber vielleicht muss man sowas auch einfach eher mit Gefühl angehen als mit dem Kopf. In der Retrospektive finde ich es lustig, dass es ausgerechnet ein Photo geworden ist, dass ich auf dem gleichen Friedhof aufgenommen habe, auf dem vor 20 Jahren schon Anna-Varney Cantodea Aufnahmen für Sopor Aeternus gemacht hat
@Schatten: Naja, meine 4-Ton-Bassspur und “A Forest”s 6-Ton-Bassspur teilen sich drei Töne, vielleicht kommt der Eindruck daher
@Robert: Man dankt, man dankt! ^^ “Winterborn” ist auch ein sehr schönes Lied, aber die Crüxshadows habe ich schon seit Ewigkeiten nicht mehr gehört, sie SOLLTEN da also eigentlich auch nicht drin stecken…
Ist ja aber echt spannend, wie die Eindrücke hier so sind was Einflüsse und Parallelen angeht
Fördern lasse ich mich natürlich sehr sehr gerne, mein Bester, nur dazu muss ich eben erstmal mehr Output fabrizieren ^^
Ich mags, sehr sogar, auch die erste Version schon, Deine Stimme ist toll, und musikalisch klingt das Ganze auch extrem vielversprechend. Ich bin musikalisch nicht so begabt (deswegen will ich ja lieber auf Metall eindreschen
) aber ich kann mir vorstellen daß sowas durchaus eine komplexe Angelegenheit ist die viel Bastelei benötigt bis alles soweit gut ist.
Bin gespannt auf mehr
Womit wir für unsere “Band” die wir uns geistig im Gothic Friday zusammengeschraubt haben schon einen Sänger und eine Soundexpertin, wahlweise auch Schmiedin zur Verfügung hätten. Interessant, interessant. Ich folge Deine Lauten und bleibe gespannt.
Wo wurde sowas denn geschraubt?
Und übernimmt Schatten schon den Bass?
Dafür brauchts noch ein wenig Übung, aber es wird langsam