“Sorrow is my Friend…” – Bruce Dickinson
Immer wenn sich jemand wundert dass ich als Grufti etwa R.E.M. oder Muse mag antworte ich “Ich steh’ ja nicht auf Wave und Goth weil ich mich dazu entschieden habe, sondern weil ich gefühlvolle Rockmusik mag”. Hin und wieder einen bewussten Blick über den Szene-Tellerrand zu wagen finde ich immer wieder mal recht spannend, weil einem sonst wirklich so manches Juwel durch die Finger gehen kann.
Daher möchte ich dem geneigten Leser an dieser Stelle einmal eine weniger bekannte Facette eines an sich recht bekannten Rockmusikers näher bringen, vor dessen Gesamtwerk man ansonten vielleicht zu voreilig Augen und Ohren verschließen würde.
Denn bekannt ist Bruce Dickinson vor allem als Sänger des Heavy-Metal-Urgesteins Iron Maiden, vor deren clichée-schwangerem und in meinen Ohren wenig abwechslungsreichen Gitarrengefrickel so mancher Grufti sicherlich schnell reißaus nimmt.
Bereits seit 1989 aber ist Bruce auch Solokünstler, und anders als bei Iron Maiden bedient er sich hier einer erstaunlichen Bandbreite von musikalischen Einflüssen, von Jazz über Folk und Grunge bis hin zu Nu Metal.
Hierbei treten zwei Faktoren in meinen Augen besonders hervor: Seine Fähigkeit literarische und okkulte Vorlagen in tiefschürfende und bildschwangere Texte zu verwandeln, und seine Fähigkeit ruhige, gefühlvolle Musik zu schreiben, die der durchschnittliche Maiden-Hörer eher überspringt, die ich aber heute mit am spannendsten finde.
Und so ist Bruce’ bekanntester Solo-Song mit Sicherheit die Ballade “Tears of the Dragon”, die ich hier in einer akkustischen Live-Version vorstellen möchte. Und auch der etwas flottere und Piano-untermalte Song “Man of Sorrows” war ihm eine Single-Auskopplung wert:
Wo diese beiden Lieder jedoch noch deutliche Züge relativ typischer Metal-Balladen tragen (besonders auch was den Gesang angeht), so schlagen doch die minimalistischen Gitarrenstücke “Darkness be my Friend” und “Acoustic Song” noch deutlich ruhigere Singer/Songwriter-artige Töne an in denen Bruce auch auf seinen markenzeichenartigen Kreischgesang völlig verzichtet:
In “No Way Out … Continued” schließlich weicht die melancholische Sichtweise auf Themen wie schmerzhafte Erinnerung oder desillustionierte Weltanschauung einer eher ebgeklärten und unterkühlten Sichtweise, die sich zudem munter beim Register der Gothic-Motive bedient.




