Le Mort joyeux – der fröhliche Tote
Dans une terre grasse et pleine d’escargots
Je veux creuser moi-même une fosse profonde,
Où je puisse à loisir étaler mes vieux os
Et dormir dans l’oubli comme un requin dans l’onde.Je hais les testaments et je hais les tombeaux;
Plutôt que d’implorer une larme du monde,
Vivant, j’aimerais mieux inviter les corbeaux
À saigner tous les bouts de ma carcasse immonde.
Ô vers! noirs compagnons sans oreille et sans yeux,
Voyez venir à vous un mort libre et joyeux;
Philosophes viveurs, fils de la pourriture,
À travers ma ruine allez donc sans remords,
Et dites-moi s’il est encor quelque torture
Pour ce vieux corps sans âme et mort parmi les morts!
Charles Baudelaire, Les Fleurs du Mal
In einer fetten erde voll von schnecken
Da richt ich eine tiefe grube her ·
Da will ich frei die alten glieder recken ·
Vergessen schlafen wie ein hai im meer.
Ich will von menschen keine thräne heischen.
Ich lade lieber mir die raben ein
Dass sie den ganzen morschen leib zerfleischen.
Ihr würmer! augen- ohrenlos gekreuch!
Ein freier froher toter kommt zu euch!
Ihr heitre Weise · aufgenährt im kot!
Durch meine reste dringet ohne sorgen
Und sagt: blieb eine qual mir noch verborgen -
Mir ohne seele unter toten tot?
Übersetzung von Stefan George, 1901
Je veux creuser moi-même une fosse profonde,
Où je puisse à loisir étaler mes vieux os
Et dormir dans l’oubli comme un requin dans l’onde.
Je hais les testaments et je hais les tombeaux;
Plutôt que d’implorer une larme du monde,
Vivant, j’aimerais mieux inviter les corbeaux
À saigner tous les bouts de ma carcasse immonde.
Ô vers! noirs compagnons sans oreille et sans yeux,
Voyez venir à vous un mort libre et joyeux;
Philosophes viveurs, fils de la pourriture,
À travers ma ruine allez donc sans remords,
Et dites-moi s’il est encor quelque torture
Pour ce vieux corps sans âme et mort parmi les morts!





Ui is das makaber
Schöne Baudelaire-Übersetzung. Es erscheint mir schwierig seine Lyrik wirklich sinngemäß zu übersetzen, die grausame Recalm-Fassung entbehrt jeder Grundlage. Es lohnt sich, mehrere Deutungen heranzuziehen.
Du hast eine gute Wahl getroffen, wie ich finde. “Durch meine Reste dringet ohne Sorgen und sagt: blieb mir noch verborgen – mir ohne Seelen unter toten tot?” scheint der Kryptik nahe zu kommen obwohl mir die Übersetzung von Robinson auch zusagt:
“Bohrt euch durch meine Reste ohne Sorgen
Und sagt mir, blieb noch eine Qual verborgen
Dem alten Leib, der tot bei Toten ruht?”
Herrlich. Die Blume des Bösen ist übrigens DAS Klischee-Werk für den literarisch interessierte Gruftie
Gute Wahl!
Deshalb habe ich mich ja auch endlich mal damit auseinander gesetzt
Gothic-Novels und -Kurzgeschichten kenne ich ja zu Genüge, jetzt wollte ich mich endlich mal mit Dichtung auseinandersetzen (also mit anderer als Poe).
Mein Französisch ist allerdings mehr als dürftig – eher quasi nicht vorhanden, weshalb ich die Übersetzungen nicht wirklich bewerten kann. Zuerst habe ich auch die von Robinson gelesen, die mir auch gut gefallen hat, aber die von George hat dann irgendwie doch eine größere Wirkung aus mich ausgeübt (ist halt auch zeitnäher, vielleicht hat es was damit zu tun…).
Achja, die Orthographie ist übrigens Original, kein Fehler meinerseits (die erste offizielle verbindliche deutsche Rechtschreibung ist von 1901, also aus dem gleichen Jahr, vorher gab es nicht wenige Leute, die Substantive klein schrieben – aber das nur am Rande).