Gothic-Grafiknovellen

Geschrieben von Karnstein am 23. Februar 2010 in Kunst, Literatur |

Der Begriff der Graphic Novel ist in den letzten Jahren sicherlich vielen schon einmal begegnet. Klar zu definieren und eindeutig zum herkömmlichen Comic-Heft abzugrenzen ist er wohl nicht, doch in der Regel versteht man darunter wohl hochwertig produzierte Comics im Buchformat, die sich meist an ein erwachsenes Publikum wenden.

Der amerikanische Verlag Graphic Classics hat sich auf die Adaption von Klassikern der englisch-sprachigen Literatur spezialisiert. So widmet sich beispielsweise ein Band ausschließlich Geschichten von Arthur Conan Doyle (Kurzgeschichten, Gedichte und natürlich Sherlock Holmes), ein anderer enthält nur Werke von Mark Twain oder H.G. Wells.
Einige Bände jedoch befassen sich ausschließlich mit Werken von Autoren aus dem Bereich Gothic, Horror und generell “Weird Fiction”.

Offene Gräber in Poes "Lebendig begraben"

So finden wir in Band 4 Geschichten von H.P. Lovecraft (u.a. “Schatten über Innsmouth”, “Herbert West – Reanimator” und “Die Katzen von Ulthar”), Band 7 widmet sich dem Werk von Bram Stoker (“Dracula” und Kurzgeschichten), in Band 9 finden wir Robert Lewis Stevensons “Dr. Jeckyll & Mr. Hyde” und der allererste (leider ausverkaufte Band) befasst sich exklusiv mit Edgar Allan Poe (u.a. “Lebendig begraben”, “Der Untergang des Hauses Usher”, “Die Maske des roten Todes”, “Das verräterische Herz” und natürlich “Der Rabe”).

Mit Band 14, Gothic Classics, ist sogar einer erschienen, der sich exklusiv und konkret mit diesem Genre auseinandersetzt und Klassiker wie Anne Radcliffes “Die Geheimnisse von Udolpho”, Poes “Das ovale Portrait”, Jane Austens Gothic-Persiflage “Die Abtei von Northanger” und einen meiner Favoriten: Joseph Sheridan LeFanus 1872er Geschichte um die liebevolle lesbische Vampirin “Carmilla” enthält.

Cthulhu auf dem Cover des Lovecraft-Bandes

Die Zeichnungen sind dabei von vielen verschiedenen Zeichnern und in den unterschiedlichsten Stilen realisiert worden – von grotesk bis komisch, sowie auch von realistisch bis naiv, sodass auch die verschiedensten Geschmäcker allein schon optisch auf ihre Kosten kommen dürften.

Ein Johnny-Depp-artiger Roderick Usher

Der einzige Wehrmutstropfen für den deutschen Leser mag sein, dass es ausschließlich die englisch-sprachigen Originale zu geben scheint – bislang hat sich offenbar kein deutscher Verlage an der Übersetzung und Publikation versucht.

Mit 10$ (momentan etwa 7,50€) für die schwarz-weißen Exemplare (nur zwei Bände sind bislang in Farbe erschienen und kosten 15$) liegt der Preis aber im überschaubaren Bereich, und auch wenn die Versandkosten ins nicht-amerikanische Ausland nicht die geringsten sind (Details auf der übersichtlichen Bestell-Seite), so fühle ich mich doch stark versucht, bald meinen PayPal-Account zu bemühen :)

Bilder und Infos:
Graphic Classics

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