Schattenspiele: Frankenstein (1910)

Geschrieben von Karnstein am 27. April 2012 in Kunst, Schattenspiele |

Frankenstein (1910)Düstere Geschichten faszinieren Menschen. Punkt.
Nicht umsonst war das Gothic-Genre in der Literatur außerordentlich erfolgreich.
Und nicht umsonst war es diese schauerliche Literatur, die die Stoffe für einige der frühesten (und besten) filmischen Werke der Weltgeschichte lieferte.

Diese Filme schließlich verliehen der schwarzen Kunst eine ungekannte visuelle Komponente deren Einfluss gerade auch auf unsere schöne schwarze Szene niemals unterschätzt werden sollte. Höchste Zeit also, dass die Otranto-Archive sich einmal ganz ausführlich den schwarzen Lichtspielen (oder sollte man eher sagen: Schattenspielen?) widmen.
Und so werde ich in den nächsten Wochen nach und nach verschiedene Meilensteine des düsteren Kinos präsentieren, in chronologischer Reihenfolge (wenn nichts Unvorhergesehenes passiert), und auf Grund des hohen Alters der Werke mit dem grandiosen Vorteil, dass sie sich in aller Regel mittlerweile in der Public Domain befinden, sodass ich euch ganz legal Streamings präsentieren darf, die ihr euch ebenso legal und hoffentlich genüsslich zu Gemüte führen dürft.

Den Anfang möchte ich mit einem in jeder Hinsicht bemerkenswerten Film machen: Frankenstein!
Nicht nur ist die zu Grunde liegende Geschichte natürlich einer DER Gothic-Stoffe schlechthin, sondern mit einer Verfilmung von 1910(!) zählt es zu den frühesten filmischen Werken überhaupt – Wir schauen hier über 100 Jahre in die Vergangenheit… Und dennoch erzeugt der Film mit seiner bizarren Kreatur und dem aus heutiger Sicht hoffnungslos überzogenen Schauspiel in nur knapp 13 Minuten sowohl Spannung als auch eine herrliche surreale Atmosphäre.
Dabei hielt sich Regisseur J. Searle Dawley sich natürlich nicht sklavisch an Mary Shelleys Vorlage, genau wie alle späteren Verfilmungen, aber im Gegensatz zu diesen ist die vorliegende Version komplett ehrlich damit und gibt nicht vor etwas anderes zu sein als sie ist, nämlich eine “liberal adaptation”. Ja, so ehrlich war man bei den New Yorker Edison Studios (ja, DER Edison – so alt ist der Film ;) ).

2 Kommentare

  • Schatten sagt:

    Der Film ist klasse, hab den vor einiger Zeit mal gesehen :D
    Was die Werkstreue betrifft, so fand ich doch den von 2002 mit Rober DeNiro und Helena Bonham Carter ziemlich genau ;)
    Wenn ich mich nicht recht irre, war Frankenstein sogar der erste Horrorfilm überhaupt, der erste Horrorfilm, der komplett als Film eigenständig war, war übrigens…..ach ich warte mal ab ob der nicht noch dran kommt ;)

  • shan_dark sagt:

    Geniale Serie – ich freu mich auf MEHR!
    Bin ja auch bekennender Schwarzweißling, was Filme angeht. Kaum zu glauben, dass man sich heute noch gern Sachen von vor einem Jahrhundert ansieht. Die haben einfach einen ganz besonderen Reiz. Gerade die “hoffnungslos überzogenen Schauspieler” mussten ja so sein, auch die Schminke – sonst würde man bei der heute hoffnungslos schlechten Qualität :D und den damals nicht gut vorhandenen Kontrasten durch das s/w gar nicht viel erkennen.
    Diese Ausgabe von Frankenstein kenne ich noch nicht – und dann echt nur 13 Minuten?? Kaum zu glauben. Freu mich schon, wird die Tage angeschaut – nach der Elektronischen Nacht, wenn wieder Platz im Kopf ist.

    Bin gespannt auf die weiteren Folgen. Tipp: Haben kürzlich “Dr. Jekyll und Mr. Hyde” von Adolph Zukor aus dem Jahre 1920 geschaut – auch sehr, sehr gut.

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