Disneys schwarze Seite

Geschrieben von Karnstein am 19. März 2011 in Kunst |

Dass Disney sozusagen eine dunkle Seite hat weiß jeder.
Ein nach außen hin familienfreundlicher Konzern, der unter der Oberfläche ebenso den Fall des Abendlandes heraufbeschwört wie MacDonald’s, MTV und Coca Cola, gegründet von einem nach seinem Tod eingefrorenen Anti-Semiten, der die Anti-Nazi-Propaganda Anfang der 1940er auf eine kriegstreiberisch nationalistische Spitze trieb. Das scheint heute ebenso „selbstverständlich“ wie die Tatsache, dass jeder von uns als Kind dennoch Disney-Cartoons liebte.

Dass Disney aber auch inhaltlich und bildlich eine schlichtweg schwarze und düstere Seite haben konnte, ist nur wenigen bewusst und soll daher hier etwas beleuchtet werden (wenngleich man hier betonen sollte, dass wir eher von Walt Disney selbst sprechen und nicht so sehr von dem Konzern der heute schlechte Teenie-Musicals und die Jonas Brothers verkauft).

Angefangen hat das Ganze 1929, nur ein Jahr nach dem originalen Steamboat-Willy-Cartoon, mit einer „Silly Symphony“ namens Skeleton Dance.
Natürlich ist alles humoristisch und niedlich aufgezogen, aber schon die schräge Szenerie (heute würde man sie vielleicht Burton’esque nennen), die grimmigen Spinnen und Fledermäuse und der mitternächtliche Friedhof stimmen einen auf einen reichlich düsteren Spaß ein wie er einem breiten Publikum wohl erst durch die Munsters oder die Addams Family bekannt wurde. Ob’s bei Goethes Totentanz wohl auch so unterhaltsam zuging? :)

Als es Mickey Mouse im gleichen Jahr in das Haunted House verschlägt ist die Szenerie sehr ähnlich (die Spinnen und Fledermäuse mögen gar die selben sein), nur wird hier der schlotternde Mickey dazu verdonnert für die tanzenden Skeletthorden auf einer Orgel zu spielen (die natürlich wie ein ganzes Orchester klingt 😉 ).

Pünktlich zu Halloween (immer noch des gleichen Jahres 1929!) wurden dann in einer weiteren „Silly Symphony“ namens Hell’s Bells sämtliche bösen Geister der Hölle beschworen. Die obligatorischen (und wieder auf die gleiche Weise auftretenden) Spinnen und Fledermäuse sehen etwas detaillierter aus, und diesmal sind es kleine Teufel die musizieren und tanzen.

Wem das alles noch nicht zu eintönig wird, der wird auf YouTube auch noch etwa tanzende Mumien finden, aber alle anderen werden sich freuen, dass sich Disney einige Jahre später (mitlerweile in Farbe) dann auch mal an etwas anderem versucht hat, und zwar an nichts geringerem als einer Umsetzung von Washington Irving’s kurzer Gothic Novel The Legend of Sleepy Hollow.

Lustigerweise ist der gesamte Handlungsverlauf wie auch die Darstellung des Ichabod Crane deutlich näher am Original als die populäre Burton-Verfilmung durch die die meisten (ich eingeschlossen) überhaupt erst mit der Geschichte bekannt gemacht wurden.
Aufgestaffelt in Teil -1-, -2-, -3- und -4- finden wir diesen Kurzfilm ebenfalls in guter Qualität auf YouTube, doch leider ist das Einbetten untersagt, sodass ich nur mit den obigen Links dienen kann.

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4 Kommentare

  • shan_dark sagt:

    Na schau an, Sleepy Hollow von Disney?? Das wusste ich bis jetzt aber auch noch nicht. Den Skeleton Dance kannte ich schon und find ihn sehr sehr toll. Aber Sleepy Hollow, ja das muss ich mir mal in Ruhe zu gemüte führen. Danke fürs Ausgraben 😉

  • Karnstein sagt:

    Jap, wie gesagt eine sehr buchgetreue Umsetzung – etwas langatmig, aber interessant. Und gern geschehen natürlich :)
    Und ich finde es übrigens bezeichnend, dass einmal kurz der Name einer Boyband genannt wird (werde ich hier jetzt NICHT wiederholen) und schon habe ich einen automatisch generierten Kommentar mit Link zu der Linkseite der Knaben.
    Sehr unseriös, Damen und Herren Disney! Pfui, schämt euch! >:(

  • Lady Schattenblut sagt:

    Was nicht alles in der weiten Welt des Internets vergraben ist!
    Die diversen Halloween – Filmchen mit Mickey Mouse sind mir mit Sicherheit bekannt, in die Sleepy Hollow – Geschichte werde ich jedoch gleich einmal reinschaue 😉
    Ebenfalls einen lieben Dank für diese äußerst amüsante „Entdeckung“ :-)

  • Avor sagt:

    Nicht zu vergessen die „Nacht auf dem Kahlen Berge“ in der Fantasia.

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