Gothic Friday – Top of the Goths (Gastartikel von Zeroed)

Geschrieben von Karnstein am 8. April 2011 in Gothic Friday |

An dieser Stelle wieder ein Gast-Beitrag eines Nicht-Bloggers namens Zeroed.
Es war mir eine Freude den Artikel zu erstellen, nicht nur weil der größte Teil der Formatierungsarbeit schon erledigt war (ich habe mir aber teils ein paar Freiheiten herausgenommen das Ganze meiner üblichen Formatierungspraxis näher zu bringen), sondern auch weil ich es inhaltlich sehr interessant fand. Aber seht selbst
:)

Seit einiger Zeit verfolge ich als interessierter Leser den von Spontis präsentierten und der Kerngruppe diskutierten Inhalt dieser Seiten, allerdings ohne mich in der Regel viel zu involvieren, von einigen wenigen Kommentaren zu mir besonders am Herzen liegenden (= mich persönlich unmittelbar betreffenden) Themen einmal abgesehen.
Bei einem Aufruf allerdings, über die Thematik der wiederverarbeiteten Musik von meinem eigenen Standpunkt aus zu berichten, konnte ich kaum widerstehen; schon gar nicht, wenn der Kontext über die sonst oft bevorzugte Hochzeit des Gothentums hinausgeht.
Folglich wurde der bevorzugte Dateisucher angeworfen, und durch die umfangreiche Sammlung mehr oder minder künstlerischen Audio-Schaffens geblättert, mit dem Ergebnis, einige beinahe schon versunkene Schätze erneut ans Licht zu bringen, und aus der resultierenden Kollektion die interessantesten Stücke herauszupicken.
Ein Wort der Warnung sei jedoch noch vorweg genommen: Die hier dargebotene Liste besticht – der Freiheit des Veranlassers folgend – nicht durch ausgesprochene Nähe zu klassischer schwarzen Musik, sondern wurde durch den subjektiven Eindruck des Verfassers beim ersten und beim hundersten Hören gebildet.

Still Silent – Shockwaved | Goethes Erben – Nichts bleibt wie es war

Ohne weiteres Geplänkel würde ich dann zum ersten Eintrag meiner in diesem Fall nach Beliebtheit aufsteigend sortierten Liste übergehen. Es handelt sich dabei um eine Übersetzung Oswald Henkes, und zwar eines Stückes des Nebenprojektes seiner Langzeit-Kollegin Mindy Kumbalek, Still Silent. Obwohl ich mit Goethes Erben im allgemeinen, und Henkes speziellen Formen der Metapher häufig etwas überfordert bin, hat sich dieses Stück doch – genau wie das Original – einen dauerhaften Lieblingsplatz ergattert. Warum ich lieber die Neuvertonung wähle statt des Originals? Henke mag mir teilweise Rätsel aufgeben, aber die Stimmung und die Intensität seines Vortrags besticht in der deutschen Sprache einfach mehr als Peter Spilles in der Originalversion.

Chris Isaak – Wicked Game | HIM – Wicked Game

Zu den Aufrichtigkeiten einer erwachsenen Person gehört auch, sich seiner Fehler der Vergangenheit bewusst zu sein. Im vorliegenden Fall allerdings ist das nächste Stück keine Peinlichkeit verflossener Jahre, sondern eiskaltes Kalkül, sowohl von Seiten des Interpreten, als auch von meiner Seite. Ja, ich mag die finnische Kommerzkuschelrockband, die als HIM die Runde machten. Ja, ich halte große Stücke auf ihren charismatischen Frontmann, stimmlich, künstlerisch, menschlich (subjektiv nach den mir vorliegenden Informationen). Warum auch nicht? Wer aus dem inhaltlich eher belanglosen Schmusestückchen eine ironische und anregende Rock’n’Roll-Version zaubert, kann nicht völlig verkehrt sein. Warum auf die Liste? Weil das durch selbstgefällige Ironie angeregte Grinsen die gesamte Lieddauer den Mund nicht verlässt, und der Griff in die Zigarettendose gefühlt obligatorisch ist. Sicherlich Geschmacksache, aber geliebt.

Auf der Suche nach einem nicht von Sony zensierten Video auf Youtube wurde ich einem finnischen Wald-und-Wiesen-Video, das wohl für die Promo 666 Ways to Love: Prologue gedreht wurde, fündig, das ich niemandem vorenthalten möchte.

ASP – Schwarz | Samsas Traum – Schwarz

Für die „Zusammenkunft“-EP brachte der gute Herr Spreng von ASP einige sehr interessante Stückchen und Remixe zusammen, meine Favoriten darunter mit Sicherheit das „Schwarz“-Cover von Samsas Traum, und – quasi in direkter Folge – „Kokon“, mit Rig von Janus. Aufgrund des höheren Innovationsgrades hat sich allerdings hier Samsas Traum durchgesetzt. Während ich das Original sehr schätze, verpasst die Coverversion dem Song nochmal einen ganz anderen ‚Twist‘, der nochmals (anders?) härter zu Potte kommt und dadurch meiner Meinung nach inhaltlich besser unterstreicht.

Man möge die generelle audiovisuelle Qualität des Clips entschuldigen, ich konnte keine andere Version finden..

Tanita Tikaram – Twist in my Sobriety | Dreadful Shadows – Twist in my Sobriety

Oh je – diese Wahl ist mir unglaublich schwer gefallen. Nicht, ob dieses Stück in die Liste aufgenommen werden sollte, sondern ob es zur höchsten Platzierung reicht. Im Original von Tanita Tikaram, ist das Stück den meisten Leuten, so auch mir, ein Begriff – oder besser, akustisch vertraut.
Als ich dann irgendwann über die Version der Dreadful Shadows mit Sven Friedrich am Mikro stolperte, war ich mehr als hingerissen – diese Stimme zu diesem Song? Unglaublich. Kein Wunder, dass sich das Stück seit nunmehr zehn Jahren auf quasi allen Zusammenstellungen jeglicher Art befindet, ohne auch nur einen Teil seiner anfänglichen Faszination und Begeisterung eingebüßt zu haben.

Simon & Garfunkel – The Sound of Silence | Nevermore – The Sound of Silence

Irgendwie blöd, mit der Überschrift die Lösung vorweg zu nehmen. Na egal. Das Original von Simon & Garfunkel benötigt wohl keine Vorstellung irgendeiner Art. Ein großartiger Song, der alle Zutaten bereithält. Dann fiel mir vor vielen Jahren die „Dead Heart in a Dead World“ von Nevermore in die Hände. Die Progressive-Metaller aus den Vereinigten Staaten waren mir schon in der Vergangenheit positiv aufgefallen, vor allem durch ihren Sänger, Warrel Dane. Was mir dann allerdings an achter Stelle des Silberlings entgegenschallte, war bis dato unerhört. Es dauerte, bis mir klar wurde, was sich da unter den verbotenen Moll-Akkorden verbarg und wer dafür Pate gestanden hatte. Der Blick aufs Booklet bestätigte den Verdacht. Ohne zu viel Drama und Pathos auffahren zu wollen, nie zuvor war mir eine derartig verzerrte und gleichzeitig geniale Neuinterpretation irgendeines Musikstückes untergekommen. Und es sitzt. Jeder Akkord, jede Gesangslinie, jeder Tempowechsel. Den größten Effekt erzielte allerdings ein zufällig durch den Shuffle meines Musikplayers erzeugter Wechsel vom Original zum Cover. Gänsehaut pur.

So. Das waren fünf meiner Lieblings-Coverversionen aller Zeiten, etwas zugeschnitten auf das anwesende Publikum. Ein kurzer Nachtrag sei mir noch gestattet, ohne den ich ungern abgeben möchte, ein weiteres Cover, das bei Freunden der etwas härteren Gangart für Freude sorgen könnte. Die Rede ist von Graveworm’s „Losing my Religion“, einem Cover des gleichnamigen REM-Klassikers. Wer sich also mit der Anordnung der obigen Liste anfreunden konnte, sollte sich diesen Link noch zu Gemüte führen.
In diesem Sinne: Danke fürs Lesen, bis bald in den Kommentaren 😉

8 Kommentare

  • Karnstein sagt:

    Sooo, und wie vorweg genommen: Ich fand es sehr interessant!
    Auf jeden Fall lustig zu sehen, dass der größte musikalische Berührungspunkt zwischen zwei Gruftis Simon & Garfunkel sein können :) Ich bin seit meiner Kindheit großer Fan der beiden Herren und muss leider sagen, dass ich persönlich das Cover (also deinen Platz 1) als den mit Abstand schwächsten Song hier empfinde. Also wirklich… Mit Abstand… Pfui bah! :) Aber die Geschmäcker sind ja zum Glück verschieden 😉
    Goethes Erben auf der anderen Seite mag ich wieder recht gern, wusste garnicht dass der Song ein Cover ist (oder vielmehr eine Übersetzung, der Rest ist ja quasi identisch) – da bleibe ich auch lieber beim Cover, denn irgendwie hat der Text auf Deutsch (oder auch nur durch Henke, wer weiß) irgendwie viel mehr Kraft.
    HIM mag ich ebenso – pathetischer Deprirock ist doch was feines (hey, immerhin hab ich mir sogar Lacrimas Profundere live angesehen ^^).
    Aber bei ASP bin ich dann wieder gegenteiliger Meinung, Samsas Traum geht für mich einfach garnicht. Allerdings finde ich auch das Original schon nicht gerade prickelnd, da habe ich bei ASP definitiv andere Favoriten.
    Aber sehr schön geschrieben und gerade WEIL wir da nicht all zu viele Überschneidungen haben eine sehr interessante Abwechslung in den Otranto-Archiven.

  • orphi sagt:

    Zunächst war ich entsetzt. Wie kann man Oswald Henke einem Peter Spilles vorziehen? Wenn ich auch nur die Stimme von Oswald Henke höre, bekomme ich Pickel. Dafür muss er noch nicht einmal das machen, was er für „singen“ hält. Für mich ist das ein theatralischer Selbstdarsteller. Aber lassen wir das… es soll ja Leute geben, die Goethes Erben mögen 😉

    Mit den Dreadful Shadows wurde dann das innere Gleichgewicht mit einem Schlag (oder besser: schon mit dem ersten Ton) wieder hergestellt. Wahrscheinlich das beste Cover, das Herr Friedrich jemals gesungen hat. Ich zitiere: „…diese Stimme zu diesem Song? Unglaublich“ – Das kann ich so unterschreiben. Und Sven sieht auch viel besser aus als Tanita :-)

    Das mit Simon & Garfunkel wird mir langsam unheimlich, denn Karnstein und ich hatte da ja auch schon mal zufällig Simon & Garfunkel-Parallelen entdeckt. :-) Die Nevermore Version ist interessant, überzeugt mich aber nicht wirklich – vielleicht, weil dieser Hardrock-Metal-Sound nicht so meine Musik ist.

    Chris Isaak und Ville sind beide großartig und bringen den Song gleichermaßen gut auf ihre Art rüber. Das wäre ganz klar mein Platz 1 gewesen.

    Samsas Traum und ASP ignoriere ich mal, weil ich dazu irgendwie keine Meinung habe. Besonders gerne habe ich die Begründungen zu den Coverversionen gelesen. Man spürt einfach die Leidenschaft für die Musik.

  • Karnstein sagt:

    *lach* „Theatralischer Selbstdarsteller“, das dachte ich auch immer, bin aber mittlerweile einer ganz anderen Meinung (unbedingt zwischen absichtlich pathetischer Bühnenshow und Herrn Henke persönlich unterscheiden). Aber das ist natürlich wieder die liebe Geschmackssache :)
    Peter wer? Moment, Wiki sagt das ist der Typ von Project Pitchfork? Achso, ja, nicht schlecht, ging aber nie sooo richtig an mich 😉
    Junge, Junge, wenn wir hier mal nicht einen roten Faden haben 😉

  • Zeroed sagt:

    Aloha!
    Vielen lieben Dank für Eure freundlichen Worte – ja, es ist (m)eine wirkliche Passion, die Musik.. und tatsächlich ist der Berührungspunkt ‚Simon & Garfunkel‘ interessant – aber vielleicht nur auf den ersten Blick? Wir gehen wohl alle darin konform, dass die Musik einen zentralen Aspekt unseres Daseins ausmacht, und wer Musik liebt, zollt in gewissem Umfang auch den Altvorderen und Wegbereitern Respekt. Vielleicht ist es unter diesem Aspekt und dem generellen Hang zu einem bestimmten Flair in jeglicher Form von Kunst, der uns wohl alle verbindet, nicht mehr so verwunderlich…

    Sei es wie es sei, ich hatte mit mehr Schelte für Herrn Vallo und weniger Schelte für meinen perfiden Versuch, ein wenig Gitarrenkrach einzubringen, gerechnet. Aber so kann man sich täuschen 😉

    @Karnstein (ich will immer ein „von“ dazusetzen – woher kommt das?): Lacrimas Profundere hatten vor ihren GothRock-Alben einen deftiven Schwarz-/Doommetal Einschlag drin.. in eindruckvollster Form in ihrem Album ‚Memorandum‘ von ’99 zu finden – ich sehe ein, dass ich damit hier vermutlich auf verlorenem Posten stehe, aber ich muss es einfach anführen.. noch heute, zehn Jahre nach dem ersten Kontakt, muss ich stets die Augen schließen, und mich dieser Energie, dieser Mischung aus schöner Melancholie und roher Gewalt hingeben..
    http://www.youtube.com/watch?v=fnN1ldt_tlg

    @orphi: Nicht, dass ich ein großer Fan von Oswald Henke wäre, falls das nicht genügend herausgestellt wurde.. aber im Kontext dieses Songs, der mich auch schon eine Weile begleitet, besticht er in meinen Augen einfach. Peter Spilles soll dadurch aber auch nicht geringer geschätzt werden – ich liebe ‚Timekiller‘ ^^

    Aber ich sehe schon, da ist Stoff für Polarisierung vorhanden.. aber so isses ja auch gut, nich wahr? Mal schauen, was der Rest sagt… 😉

  • Guldhan sagt:

    Nichts bleibt wie es…shockwaved

    In der Tat, es gibt solche Leute die Goethes Erben mögen. Seltsame Gestalten und die Sympathie bleibt nie ohne Spätfolgen… Wobei mir dieses Stück unbekannt gewesen war. Entstand wohl nach meiner aktiven Groupie-Zeit.

    Dennoch sehe ich mich genötigt, meiner Vorrednerin zuzustimmen. Zwar nicht unbedingt hinsichtlich der Gefahr auf mittelschwere Altersakne, doch aber in Bezug auf den Favoriten.
    Das Peterchen transportiert besser die Energie, die sich in dem Titel verbirgt. Dieser fast schon besinnliche Beginn, der sich aber mehr und mehr in Rasche bringt, ist großartig. Da passt auch das Hämmern und Schrammen der Musik. Zudem –und das sage ich recht selten- harmoniert die englische Lautsprache besser mit der Melodie.

    Oswald Henkes schwadronieren im gewohnten Formulierungsrausch lässt das Stück allzu träge erscheinen. Zudem überziehen die Sätze die Spannungsbögen und kollidieren mit dem Rhythmus. Meine Meinung… Allerdings räume ich auch gerne ein, dass ich dahingehend vorbelastet bin, da jenes Original zu meinen unantastbaren Klassikern aus der Epoche als ClubBerserker gehört.

    Übrigens ist es im Grunde recht einfach Henkes Worten zu folgen, man muss nur denselben Wahn ins Hirn lassen…und schon klappt das.

  • Karnstein sagt:

    @Zeroed: Ich bin da selbst nicht ganz konsequent, oft genug schreibe ich „von Karnstein“, ursprünglich eigentlich immer, aber oft bin ich irgendwie zu faul oder verpeilt :)
    Von Lacrimas Profundere kenne ich zugegebenermaßen nicht viel und habe mich nie mit ihrer musikalischen Geschichte oder sonstwas auseinander gesetzt. Ich kannte den aktuellen Kram, sie haben auf dem WGT gespielt, also bin ich mal rein – das war’s aber auch schon 😉

  • Zeroed sagt:

    @von Karnstein: War jetzt ja auch nicht als Belehrung oder Ähnliches geplant – genau genommen läuft es wohl unter dem Mikroskop -wieder mal- unter der Kategorie selbstherrlicher Musikfanatismusausguss 😉

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