Vlad Draculeas gesammelte Scheußlichkeiten, III

Geschrieben von Karnstein am 30. Juni 2011 in Fundgrube |

Mit ein wenig Verspätung an dieser Stelle der letzten Monat angekündigte dritte (und vorerst letzte) Teil meines historischen Exkurses zu “Draculas” Gräueltaten.

Wie bereits erwähnt finde ich auf gewisse Weise die folgende Episode am schrägsten. Sie ist vielleicht nicht ganz so verworren wie die letzte, macht aber doch eine für mich unerwartete Kehre, bei der sich jedem mit moderner Frauenrechtsbewegung groß gewordenen Menschen die Zehennägel hochrollen sollten.
Wie gehabt zunächst im historischen Original, dann in meiner Übersetzung:

Item er hatt ainen ſehen arbaiten in ainem kurzen pfad vnnd ſprach zů jm haſt ain hüßfrowen er ſprach ja er ſprach bring mir ſy her zů mir do ſprach er zů ir waß thůſtu. ſy ſprach ich wäſch bach ſpin – zů hand ließ er ſy ſpißen darumb daß ſy irem man nit hatt laſen machen ain lange pfad daß man im der brůch nit ſech zů hand gab er im ain ander wib vnd gebott ir ſi ſölt dem man ain lange pfad machen oder er welt ſy och laſenn ſpißenn.

Des weiteren hat er einen arbeiten sehen in einem kurzen Gewand und er sprach zu ihm: “Hast du deine Frau?” – Dieser antwortete: “Ja.”
Er sprach darauf: “Bring sie her zu mir!”
Da fragte er sie: “Was tust du [im Haushalt]?” und sie antwortete: “Ich wasche, backe und spinne.”
Sofort ließ er sie spießen, weil sie ihrem Mann kein längeres Gewand gemacht hat, damit man seine Unterwäsche nicht sieht. Er gab dem Mann zugleich eine andere Frau und gebot ihr sie sölle ihm ein langes Gewand machen oder er würde auch sie spießen lassen.

 

Bauer mit hochgeschlagenem Gewand und sichtbarer Bruoch mit Beinlingen (links) und einer nur in Bruoch (rechts)

Bauer mit hochgeschlagenem Gewand und sichtbarer Bruoch mit Beinlingen (links) und einer nur in Bruoch (rechts)

Beruhigend zu wissen, dass der liebe Dracula ein so sittenhafter und moralischer Mensch war, dass ihm das öffentliche Zur-Schau-stellen einer Unterhose so ein Dorn im Auge war :)

Man sollte jedoch vielleicht dazu sagen, dass diese “Unterhose” (eine sogenannte Bruoch) noch nicht die eigentliche Unterwäsche war und bei zu großer Hitze durchaus mal das einzige Kleidungsstück war, dass der Bauer auf dem Felde trug. Unfein war es dennoch, und was liegt näher als nicht den Mann zu bestrafen der etwas so unsittliches tut, sondern seine Frau, weil sie ihm keine angemessenere Kleidung gemacht hat? ;)

(Die Abbildung rechts ist zwar aus dem 13. Jahrhundert, aber die Mode von Bruochen mit Beinlingen gab bis nach 1600 – so in etwa dürfte es sich also auch unserem Vlad präsentiert haben.)

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