Gothic Friday – Mein schönstes Live-Erlebnis

Geschrieben von Karnstein am 5. Juni 2011 in Allgemein |

Beim Gothic-Friday geht es diesen Monat um ganz besondere Erfahrungen auf Konzerten und Festivals. Ein Thema, bei dem sich vermutlich der gemeine Grufti (und sicherlich nicht nur der) dumm und dämlich schreiben könnte.
Ich für meinen Teil muss allerdings mit einem Geständnis anfangen das einige sicherlich nicht werden nachvollziehen können, denn ich steh‘ eigentlich nicht so sehr auf Live-Konzerte…

Ja, ich bin ein Konzertmuffel!

Ich weiß wie komisch das ist, gerade auch als Musiker. Und ich kann auch nicht wirklich sagen warum das so ist, aber irgendwie zieht es mich nicht so in die Konzerthallen. Aversion gegen Menschenmassen vielleicht ein Stück weit, das liebe Geld auf der anderen Seite. Alles in allem beschränke ich meinen Musikgenuss ganz gerne auf die Konserve, auch wenn mir die Konzerte auf denen ich war natürlich immer Spaß gemacht haben.

Als ich angefangen habe Konzerte zu besuchen war ich mitten in meiner tiefsten Metal- und Folkrock-Phase und war damals top-motiviert mir verschiedene Bands immer und immer wieder anzusehen (allein Subway to Sally und Schandmaul habe ich je fünf mal gesehen), aber je dunkler und ruhiger mein Musikgeschmack wurde, desto weniger hat mich das Verlangen überkommen vor einer Bühne stehen zu müssen um den Musikern zuzuschauen.
Meine absoluten Lieblingsbands werde ich auch aus nachvollziehbaren Gründen ohnehin niemals sehen können, denn Joy Division und Grauzone gibt’s seit knapp 30 Jahren nicht mehr, und wer kann sich schon noch Cure-Tickets leisten?
ASP habe ich mal gesehen, aber es war mir zu voll – Qntal habe ich gesehen, aber der Ton war zu schlecht – Fliehende Stürme habe ich gesehen, aber da kam keine Stimmung auf (WGT, Agra-Halle…).
Einzig Coppelius habe ich mir in den letzten Jahren noch mehrfach angesehen und kann sie aufgrund ihrer absolut grandiosen Bühnenshow nur jedem ans Herz legen, der viktorianische Rockmusik gut finden könnte :)

Mein vermutlich bestes Konzert war entsprechend auch fast unbeabsichtigt…

Auf dem Weg zu Faun

Auf dem Weg zu Faun

Und zwar war ich im Jahr 2008 mit meiner Mittelalter-Gruppe bei den Ritterspielen Freienfels zugegen, und wir lagerten dort wie man es halt meist so macht als Darsteller. Dabei gab ich mir redlich Mühe, den nervtötenden Sackpfeifen-Lärm von Corvus-Corax-Klon no. 529 zu ignorieren und mich nicht all zu sehr über die böser-Spielmann-aus-der-Hölle-Attitude von Pseudo-Mittelalter-Suppenkaspern wie etwa Marcus van Langen aufzuregen.
Mein musikalischer Lichtblick war die Aussicht, am Abend Faun einmal live sehen zu können. Die haben zwar mit dem Mittelalter auch nicht mehr zu tun als die erwähnten Hanseln, aber sie geben es eben auch nicht vor und sind musikalisch einfach in einer ganz anderen und eigenen Liga.
Ich kannte sie nur von CD, freute mich an sich schon, erwartete aber nicht so wahnsinnig viel – und in erster Linie war ich ja für’s Reenactment vor Ort – und als die Organisatoren es dann auch erstmal nicht auf die Reihe bekommen haben die vor Ort lagernden Darsteller umsonst auf das Konzertgelände zu lassen (wie angekündigt) war ich schon kurz vor der Rückkehr ins Lager wo immerhin nette Menschen und Bier in großen Holzgefäßen wartete. Doch irgendwann bekam doch jeder Darsteller sein Armbändchen mit dem er hämisch grinsend an den brav in der Reihe anstehenden normalen Konzertbesuchern vorbei spazieren durfte. Und das war ein Glück!

Faun in Freienfels 2008

Faun in Freienfels 2008

Denn selten habe ich in so einem schlichten Umfeld eine so unter die Haut kriechende Atmosphäre erlebt.
Die Bühne war klein und direkt neben einem Reit- und Turnierplatz. Die Musiker hatten keinen richtigen Backstage-Bereich und sind neben der Bühne zwischen den Fans herumgestromert, was dem ganzen einen sehr familiären Touch gegeben hat. Man konnte sich für Konzertverhältnisse angenehm frei und unklaustrophobisch bewegen, sodass ich meist in toller Position in dritter, vierter Reihe verbracht habe, manchmal weiter hinten, und trotzdem war man mitten drin in der Atmosphäre.
Was für eine angenehme Abwechslung nun hypnotische Stimmen, sanfte Saiteninstrumente und ätherische elektronische Untermalung und Beats in sich hinein kriechen lassen zu können, während es dunkel wird und die Burgruine beleuchtet wird. Und so habe in meinen Schuhen mit der dünnen Ledersohle und den darunter geschnallten hölzernen Trippen nicht nur unerwartet lange ausgehalten, ich habe sogar damit getanzt, denn dem konnte man sich einfach nicht entziehen.
Die Musiker schienen aber auch einfach so eine Freude daran zu haben auf der Bühne zu stehen! Das habe ich beim besten Willen schon ganz ganz anders erlebt… Mit allerlei munteren Ansagen haben sie die Stimmung immer noch weiter aufgebessert oder einen auf die getragene Stimmung einer Ballade vorbereitet.
Besonders knuffig fand ich als Nil Mitra, der Mann an der Elektronik, vom Sänger als ganz besonders tapfer gepriesen wurde, da er es seit Jahren schafft als Musiker über Mittelaltermärkte zu ziehen dessen einziges Instrument ein Laptop ist, und er noch nicht gelyncht wurde :)

Tja, so grandiose Musik wertzuschätzen fällt eben wohl leicht, und wer sich für diese Art von Musik auch nur irgendwie erwärmen kann, der sollte es nicht verpassen irgendwann einmal ein Faun-Konzert zu besuchen.
Von erwähntem Konzert gibt es leider keine Video-Aufnahmen die ich kennen würde, aber einen Mitschnitt eines anderen Konzertes möchte ich an dieser Stelle dennoch präsentieren, um euch zumindest einen kleinen Einblick zu gewähren.

7 Kommentare

  • shan_dark sagt:

    Na siehste, hast Du ja doch noch eine Band/Konzert gefunden, die Du selbst als Konzertmuffel empfehlen kannst! Schön.

    Ich stehe allerdings auf dem Standpunkt: Konzerte sind etwas ganz Phantastisches und nur wenn man eine Band live-on-stage erlebt hat, kann man sie erst nach ihrem wahren Können beurteilen. Denn einem Live-Auftritt hält nicht jede Gruppe stand. Wer live nicht gut rüberkommt oder wo es musikalisch ganz und gar nicht matcht mit den Studioaufnahmen, dessen CD/Musik lege ich mir meist auch nicht zu. Bin da sehr anspruchsvoll. Aber bei der Fülle guter Musik/Bands kann ich mir das leisten nur die Besten herauszupicken ;-). Bei dieser Regel mache ich nur wenige Ausnahmen, eine ist z.B. Frontline Assembly (die find ich live langweilig, wenn auch musikalisch ok).
    Aber es gibt auch Bands, die mich live faszinieren und ich mir immer wieder im Konzert ansehen würde, aber daheim zum Hören nichts für mich sind. Das ist bisschen häufiger der Fall. Faith & the Muse oder Die Krupps sind da so Beispiele. Phantastische oder mitreißende Bühnenpräsenz, aber bis auf ein paar Songs nix für die heimische Anlage oder das Autoradio.

  • Karnstein sagt:

    Hm, natürlich ein legitimer Standpunkt, aber ich persönlich kann ihn nicht ganz teilen, fürche ich.
    Das „Können“ einer Band ergibt sich für mich nicht aus ihren Live-Qualitäten sondern aus dem Songwriting und Arrangement, etc. Es gibt da z.B. Leute die live ums Verrecken nicht singen können, aber in Studio-Aufnahmen mit massivem Ausbügeln grandios klingen. Das stört mich dann überhaupt nicht.
    Ich könnte mir auch zum Beispiel vorstellen, dass mir Alien Sex Fiend live garnicht gefallen würden, obwohl ich sie auf Band grandios finde – die Konzerte sollen doch sehr sehr „industrial“ sein, und das kann ich mir nich all zu lange geben.
    Aber ich bin da vielleicht auch insofern befangen, als dass ich mit Farblos niemals werde auftreten können weil es ein reines Ein-Mann-„Studioprojekt“ ist, und dennoch hoffe, dass man deshalb nicht sagt: Dann ist das auch keine richtige Band und die Musik taugt nichts, wenn er sie nicht live spielen kann.
    Gut… ich sage dennoch immer: EINMAL in meinem Leben möchte ich The Cure live gesehen haben… das ist dann schon irgendwie was besonderes… 😉

  • shan_dark sagt:

    Doch, für mich spielen die Live-Qualitäten schon in das Können einer Band hinein, wenn es auch nicht den Hauptanteil ausmacht. Aber die wirklich großen Bands haben meist auch geniale Live-Auftritte. Vom persönlichen Gusto mal ganz abgesehen. Bei dir kann es sein, dass dir Alien Sex Fiend too much ist (wobei die Bühnendeko und Show könnten dir schon gefallen, nur vllt. das Industrial-/Soundgeschraube nicht). Ich hab z.b. Cure schon live gesehen und muss es jetzt nicht noch mal haben…trotzdem ist es eine großartige Band, die mit ihren Auftritten ihr Können enorm unterstreicht – und eben auch auf der Bühne brilliert (in den Augen der meisten Fans).

    Warum solltest du als Ein-Mann-Projekt nicht auftreten können? Sicher ist da einiges an Vorbereitungen etc. notwendig, aber alles was im Studio geht, sollte auch live gehen. Sicher klingt es nicht 100%ig wie im Studio, sonst bräuchte man es sich ja auch nicht live anzuhören. Ich will ja da kein komplettes Remake vom Studioalbum hören, sondern eben die Live-Variante, Atmo spüren, die Persönlichkeit hinter der Band und Musik. Vielleicht bist du mit Farblos einfach noch nicht so weit, aber die meisten Bands die ich kenne, auch wenn sie noch am Anfang stehen, gehen irgendwann den Weg zur Bühne. Es ist ein Entwicklungsprozess und auch wenn es jetzt unwahrscheinlich erscheinen mag: vllt. kommst du noch dahin. Farblos live @HorrorHigh! Ich werde da sein!!

    PS: Dein Beitrag ist nicht im Ursprungsartikel verlinkt, no trackback. Vllt. noch mal als Kommi einstellen? Ich hab ihn nur über deinen RSS-Feed „gefunden“.

  • Karnstein sagt:

    Hm, da bleibt uns wohl alles in allem nur ein „we agree to disagree“ 😉
    Also Beats und ein paar Synths vom Band wäre schon OK, aber die Haupt-Synth-Melodie würde ich schon lieber live gespielt wissen wollen. Bleiben Bass und Gesang, was ich natürlich beides mache, aber wenn ich es gleichzeitig mache leidet beides darunter (da stoße ich eben an meine Grenzen als Musiker – auch wenn ich als Songwriter alles bedacht und stimmig arrangiert habe). Ergo: Ich müsste auch den Bass vom Band laufen lassen (geht gaaarnicht!) oder einen zweiten Mann engagieren.
    Bleiben noch gelegentliche Parts für Gitarre und Akkustikinstrumente, die ich genau so unmöglich vom Band haben möchte und ebenso wenig zum Gesang spielen kann – ich bräuchte also mindestens einen dritten Mann.
    Wenn ich solche finden sollte, die sich zudem damit zufrieden geben meinen Kram zu spielen und ihren eigenen Beitrag dazu zu leisten, mir aber ansonsten die komplette kreative Entscheidungsgewalt überlassen – super! Aber solange das nicht der Fall ist bleibt es eher unwahrscheinlich, dass man Farblos mal live erleben wird ^^
    Aber zugegeben, live @ Horrorhigh wäre natürlich erstmal ein Traum – aber da haben wohl Tino und Rene auch ein Wörtchen mitzureden und die ahnen nichts von ihrem „Glück“ 😉

  • tobikult sagt:

    Oh ja, Faun. Ausgezeichnete handgemachte Musik! Und die Bühnenpräsenz von Coppelius hat mich auf dem letzen Amphi sehr beeindruckt. Die gilt es weiter auf dem Radar zu behalten.

  • Papilioniger sagt:

    Hehe, Faun hab ich auch letztes Jahr auf den Saarbrücker Mittelaltertagen gesehen…Die Atmosphäre war toll, ähnlich wie du sie beschreibst.
    Auf Konzerten bin ich auch eher selten, wegen des Geldes ;), dennoch fand ich meine Festivalpremiere vor einem Monat sehr gut, aber ich habe eben auch Spaß bei „Massenbewegungen zu Metalklängen“ ums mal so zu nennen…

Schreibe einen Kommentar

Copyright © 2017 Otranto-Archive Rechte vorbehalten.
Desk Mess Mirrored v1.4.1 Theme von BuyNowShop.com.

QR Code Business Card